Hopfen aus Sicht der chinesischen Kräutermedizin
In Frauenzeitschriften oder im allgemeinen Gesundheitsteil diverser Magazine und Zeitungen erfährt man allenfalls Oberflächliches über Hopfen. Im Konjunktiv geschrieben, damit rechtlich niemand belangt werden kann, steht da im dreimonatlich wiederholenden Rhythmus „Hopfen kann beruhigend und schlaffördernd wirken“.
Im Zusammenhang mit chinesischer Kräutermedizin findet sich nach meinen Recherchen nichts, was Hopfen hinsichtlich seines Aussehens, Form, Charakters oder Entsprechung ein- und zuordnet. Und seine therapeutischen und medizinischen Auswirkungen auf Körper und Geist sind generell nur oberflächlich erkannt und entsprechend lückenhaft beschrieben worden. Es ist also an der Zeit, dies nachzuholen und den Hopfen ausführlicher in die Materia Medica der chinesischen, alternativen und vor allem westlichen Medizin global und universal einzufügen. Hopfen ist die Pflanze, die alles in sich vereint, sie ist ein Yin-Bomber und dennoch ist sie Yin und Yang, vor allem ist Hopfen die nebenwirkungsfreie Medizin der Zukunft. Mit den Worten chinesischer Medizin gesprochen: stärkt und tonisiert Hopfen das Yin, beruhigt das Herz-Feuer und den Geist. Durch seine beruhigende Wirkung kann er Leber-Qi-Stagnationen auflösen und damit Feuer im Magen klären. Im Außen wird die Abwehrkraft – chinesisch heißt das Wei-Qi – gekräftigt, was die westliche Medizin als „antibakteriell, antiviral und antimykotisch“ bezeichnet.
Schauen wir uns den Hopfen und sein Gedeihen genauer unter dem Brennglas der TCM an. Von außen gesehen, schießt der Hopfen im Juni förmlich nach oben und klettert innerhalb kürzester Zeit eilig zum Gipfel hinauf. Das ist Ausdruck von purem Yang! Genauso die Seitentriebe des Hopfens, die dank der nach außen drängenden Yang-Kraft von unten nach oben wachsen und weit ausholend in den Raum greifen. Stauchen sich die Hopfenstängel während des Wachstums, bilden sich an diesen Stellen Blüten, woraus sich die Dolden entwickeln. Bis zur Ernte im September bleiben diese an den feinen Ästchen schwer hängen. Sobald der Hopfen blüht, entwickelt sich aus dem Yang das Yin. Die unscheinbaren Blüten weisen darauf hin, dass sich ab einem gewissen Zeitpunkt Kraft und Energie nicht mehr nach außen, sondern nach innen konzentrieren, das Yang implodiert gewissermaßen. In den folgenden Wochen wird verinnerlicht und verdichtet, woraus Substanz – und das ist pures Yin – entsteht. Im Blüteninneren entwickeln sich die Doldendrüsen, in denen die kostbaren Stoffe – über diese erfahren Sie weiter unten mehr – erschaffen werden, wie Harze und Öle, die das aromatische Lupulin enthalten.
In Bayern ist kultivierter Hopfen weiblich und muss aus wirtschaftlichen Gründen unbefruchtet bleiben. Ob männlich oder weiblich lässt sich nur anhand der Blüte erkennen. Männlicher Hopfen hat sehr viele Rispen an den Seitentrieben, und jede einzelne Rispe setzt sich aus ebenfalls vielen kleinen Blüten zusammen. Männlicher Hopfen hat Staubbeutel, und wenn diese reif sind, trägt sich deren Blütenstaub über weite Entfernungen hinweg. Wenn er auf weibliche Blüten trifft, werden diese natürlich befruchtet. Eine befruchtete Hopfendolde wird viel größer und entwickelt sich gröber. Außerdem enthält sie weniger Hopfenmehl und begehrte Hopfenstoffe, da sich statt „yiniger“ Doldendrüsen Samen entwickeln. Genau das mindert die Qualität des Kulturhopfens, weshalb er per Gesetz unbefruchtet bleiben muss. Ja, tatsächlich, am 21. November 1956 wurde ein Gesetz erlassen, das befiehlt, männlichen Hopfen, wenn er entdeckt wird, unverzüglich zu roden und zu eliminieren:
Läuft alles nach Plan und wie gesetzlich angeordnet, entwickelt weiblicher Hopfen aus dem unbefruchteten Yin-Zustand heraus Blüten und Dolden. Genau genommen ist die Frucht des Hopfens keine Frucht, da es keine Befruchtung gibt. Deshalb besitzt Hopfen beziehungsweise seine Dolden diese enorme Yin-Kraft, wodurch das Yin-Prinzip bei dessen therapeutischen Einsatz so stark tonisiert und gestärkt werden kann.
Der Sommer wird in der chinesischen Medizin und im Feng-Shui dem Element Feuer zugeordnet. Feuer und Sommer repräsentierten das höchste Yang. Im Juli bombardiert die hochstehende Sonne den Hopfen mit UV-Strahlen, bringt ihn quasi zum innerlichen Kochen, versetzt ihn in Abwehr- und Alarmbereitschaft. Er hat den Gipfel seines Rebenwachstums erreicht und verwendet seine überschüssige Yang-Kraft dazu, um sich vor der Sonne und ihrer Hitze zu schützen, indem er pflanzliche Sonnencreme – was Xanthophyll bzw. Xanthohumol ist – und andere kühlende Stoffe produziert. Die chinesische Medizin weiß, dass Bitter der Geschmack des Feuers ist. Wenn die Kraft des Yangs am stärksten ist, transformiert es das Feuer der Sommersonne zu kühlender Bitterkeit, um damit die Dolden im Außen und am Gipfel zu schützen. Auf diese Weise wandelt der Hopfen heißes Yang in bitterkaltes Yin um. Dieser extreme Prozess sorgt für die begehrten und gesunden Stoffe aus den Hopfenzapfen und Hopfendrüsen, die da sind Polyphenole, Humulone (Alphasäuren), Lupulone (Betasäuren) und das begehrte Xanthohumol.
Das Hopfenbild, das ich mit Hilfe der chinesischen Pharmakologie zeichne, möchte ich auch aus westlicher Sicht beschreiben. Im Allgemeinen schützen sich Pflanzen vor dem UV-Licht der Sonne, indem sie eigene Sonnenschutzmittel produzieren. Sie werden Xanthophylle genannt und sind eine Untergruppe der Flavonoide und Carotinoide. Berühmt geworden sind sie als Polyphenole, von denen man weiß, dass sie antioxidativ sind und damit gegen freie Radikale und somit vor UV-Strahlung schützen. Xanthophylle absorbieren Licht, das von der Pflanze nicht für Chlorophyll verwendet wird, und schützen so das System der Photosynthese. Genau diesem Abwehrkampf des Hopfens gegen die UV-Strahlung ist die Produktion der Xanthophylle, was beim Hopfen Xanthohumol heißt, zu verdanken. Falls Sie fragen, was „Xantho“ bedeutet, erschließt sich mit der Antwort gleich noch die Verwandtschaft von Xanthohumol und Xanthophyll. „Xantho“ ist eine griechische Vorsilbe, die übersetzt „gelb“ oder „blond“ bedeutet. Beim Xanthohumol ist das Hopfenmehl gelb, und beim Xanthophyll anderer Pflanzen ist es, einfach gesagt, die schützende Sonnencreme. Die Bitterstoffe des Hopfens wirken antibiotisch – Antibiotika sind kalt und bitter – und „kühlen“ auf phytohormonellem Wege das menopausale Hormonsystem der Frau, sie yinisieren es.
So erklärt sich der biochemische Umwandlungsprozess im Hopfen mit Hilfe der chinesischen Medizin, womit die Begriffe Yin-Mangel und Herz-Feuer verständlicher werden. Ab dem ersten Altersgipfel mit vierundvierzig wird die Kraft in den Nieren und Eierstöcken Jahr für Jahr schwächer, und der Hormoncocktail aus Östrogen und Progesteron wird immer weniger. Die weibliche Substanz im Unterleib ist relativ aufgebraucht und schwindet, je weiter die Menopause voranschreitet. Aus chinesisch-medizinischer Sicht wird ein Prozess eingeleitet, der in einen Nieren-Yin-Mangel führt und im Laufe der Zeit auf alle anderen Organe übergreift. Ein Yin-Mangel ist jedoch nicht absolut oder steht für sich alleine. Yin und Yang sind eins, ergeben das Ganze, was bedeutet, sie sind relativ und hängen voneinander ab. Was logischerweise erklärt, warum ein Yin-Mangel einen Yang-Mangel nach sich zieht. Praktisch bedeutet das bei Frauen in der Menopause, der Yin-Mangel bzw. Hormonmangel lässt nicht nur ihre Blutung versiegen, sondern auch ihre Energie und Yang werden weniger. Müdigkeit, Erschöpfung, Reizbarkeit und Unruhe aufgrund von Leere-Hitze sind die Folge. Das berühmtberüchtigte Nachtschwitzen und die Hitzewallungen kommen von einem Yin-Mangel. Das Yin ist zu schwach, um das unruhige, sich nach oben und außen bewegende Yang zu kontrollieren und im Inneren festzuhalten. So reißt sich das heiße Yang vom Yin los und nimmt beim nach Oben- und Außenschießen in den Kopf und an die Körperoberfläche Flüssigkeit, sprich Schweiß, mit. Von Frauen wird dieser Prozess als Hitzeattacken mit Schweißausbrüchen erlebt. Sobald das Yang im Außen nach einer solchen Attacke verpulvert ist, reagiert der Körper mit Frösteln und Kälteschauern, weil ihm das Yang im Inneren zum Wärmen fehlt.
„Was ist eigentlich Yin und Yang?“ werde ich in meiner Praxis gefragt. Die Antwort ist einfach: Yin ist das, was man sieht, also Substanz, und Yang ist unsichtbar, also Wärme und Energie. Zum Yin zählen Blut, Hormone, Gewebe, Körperzellen, Körperflüssigkeiten. Beim Yin-Mangel mangelt es an Blut, Hormonen und Flüssigkeit. Ein derartiger Mangel macht sich als trockene Oberflächenhaut und trockene Schleimhäute der Augen, Nase sowie der Geschlechtsteile und natürlich auch als trockene Faszien, Bänder und Sehnen durch Gelenk- und Muskelschmerzen bemerkbar. Östrogen und Progesteron – um zurück zu den Hormonen zu kommen – sind substantiell. Werden diese wegen der schwindenden Kraft in den Eierstöcken weniger, wird es auch das Yin. Das wiederum reduziert das Yang, also die bewegende und wärmende Kraft, womit die Eierstöcke noch weniger Qi zum Produzieren von Hormonen haben. Es entwickelt sich ein Circulus Vitiosus! Körperlich und psychisch wirkt sich deren Sinken erheblich, um nicht zu sagen, dramatisch auf den weiblichen Körper aus. Die durch einen Yin-Mangel verursachten Beschwerden sind körperlicher und psychischer Natur: Innere Unruhe, Ängste, Nervosität, Einschlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Depressionen, Verspannungen, schmerzhafte Gelenke, erhöhte Prolapsneigung wegen der schwindenden Haltekraft des Bindegewebes uvm.
Dank seines Yin-lastigen Charakters wegen der unbefruchteten Dolden und deren Hopfenmehl ist die Yin-Wirkung des Hopfens stärker als bei allen anderen Pflanzenfrüchten, die man in der gängigen, alternativen Frauenmedizin kennt. Deshalb beruhigt das Hopfen-Yin Leber-Hitze und -Feuer so stark und effektiv. Rede ich von einem Leber-Yin-Mangel, können folgende Symptome bestehen: Gereiztheit, Aggression, Wutausbruch, Kopfschmerzen, Anspannung, Schlafstörungen, schlechtes Sehen, Bluthochdruck, Tinnitus bis hin zu Schlaganfall oder Herzinfarkt. Hopfen kann sogar eine Leberfibrosierung verhindern (Journal of Experimental und Molecular Pathology, April 2012). Darüber mehr weiter unten im Zusammenhang mit IAAs (Iso-Alpha-Säuren).
Und Hopfen kann noch mehr. Er leitet sogenannte „Nässe-Hitze“ aus. Eine solche entsteht, wenn die „Mitte“ schwach ist und dazu auch noch die Leber „heiß“ läuft, was bei den meisten Nässe-Hitze-Patienten der Fall ist. Die berühmte „chinesische Mitte“ ist die Organkombination aus Magen, Milz und Bauchspeicheldrüse. Ist sie schwach, kann sie nicht liefern, wie sie sollte, nämlich Kraft zum Umwandeln der aufgenommenen Nahrung. Im Westen denkt man beim Verdauen in erster Linie an das Organ Magen, was prinzipiell ja eigentlich richtig ist. Damit der Magen aber arbeiten kann, muss er selbst versorgt werden. Und das macht die faustgroße Milz, die im linken Oberbauch verborgen unter dem Brustkorb hinter dem Magen liegt. Die Schulmedizin misst der Milz keine besondere Bedeutung bei, so dass sie manchmal voreilig entfernt wird. In der Kindheit produziert sie Blut, später sortiert sie die alten und beschädigten roten Blutkörperchen aus, indem sich diese durch ihre rote Pulpa – die man sich als eine Art Sieb vorstellen kann – quetschen müssen. Können sie das, sind die Erythrozyten – so werden die roten Blutkörperchen medizinisch genannt – beweglich und flexibel genug, um in den Blutkreislauf zurückzukehren. Bleiben sie im „roten Milz-Sieb“ hängen, werden die Blutkörperchen aussortiert und zerlegt. Sie werden quasi recycelt. Die Milz speichert Thrombozyten und Lymphozyten, die ein wichtiger Teil unseres Immunsystems sind. Die chinesische Medizin bezeichnet die Bauchspeicheldrüse auch als Milz, als das Milz-Yang. Die „alten“ Chinesen wussten wohl bereits vor 2000 Jahren, wie sich beim Embryo die Organe entwickeln, denn in der fünften Schwangerschaftswoche entwickeln sich aus dem embryonalen Bindegewebe gemeinsam Bauchspeicheldrüse und Milz.
Mit der Kombination Milz-Qi-Schwäche und Leber-Qi-Stagnation kommen viele Patienten in die TCM-Praxis. Meist sind es Patienten, die ihre Milz methodisch und tagtäglich schwächen, indem sie sich zu süß, zu fett, zu spät, unregelmäßig, reich an Salat, Obst und Milchprodukten ernähren, und zu guter Letzt kalte Getränke und Eis hinterherschütten. Ergebnis solcher täglich verabreichten Cocktails sind Blähungen, weicher Stuhl oder Durchfall, Erschöpfung, Müdigkeit, Depressionen, Bindegewebsschwächen mit Hämorrhoiden und Neigung zu Bandscheibenvorfällen oder Blasen- und Eingeweidesenkungen und vieles mehr. Eine schwache Milz beeinträchtigt die gesamte Verdauungsleistung, sie schaltet um in den Sparmodus, wodurch Feuchtigkeit und Schleim entstehen. In der Folge kann der Darm lebenswichtige Nährstoffe nur schlecht resorbieren, wodurch Wertvolles der Nahrung unverdaut in die Kanalisation geht. Vergorenes und faulendes Halbverdautes belasten den Darm und vergiften das Blut. Die stinkenden Gase, die sich bestenfalls als Winde nach außen auf den Weg machen, zeugen davon, wie es im Körper- und Darminneren fault und gärt. Die stinkende, heiße Feuchtigkeit entleert sich bestenfalls in einem explosionsartigen Durchfall nach unten. Im nicht so guten Fall dringt die giftige Feuchtigkeit in das Pfortadersystem der Leber ein. Kurze Erklärung dieses Systems: Aus den sogenannten unpaarigen Bauchorganen, das da sind Magen, Darm, Milz, Bauchspeicheldrüse, fließt in diesem Kreislauf nährstoffreiches und sauerstoffarmes Blut, das zur Leber geleitet wird. Zurück zur sich in der Mitte bildenden „Nässe-Hitze“, die in der Leber einige Grade Celsius aufgeheizt wird. Wegen ihrer Funktion als Blutspeicher ist die Leber das wärmste Organ. Bei Stress, Ärger, spätem Essen und Schlafstörungen mit entsprechendem Mangel und Alkoholkonsum kann sie tatsächlich heiß laufen. Womit sich meist auch die Beschwerden und Symptome der „Nässe-Hitze“ steigern, was im ungünstig chronischen Verlauf nicht nur unangenehm, sondern im schlimmstenfalls tödlich werden kann. Zu Blähungen und Durchfall gesellen sich Gallenkoliken, Magenschmerzen, Sodbrennen, Reflux, Reizbarkeit, Migräne, Kopfschmerzen, die sich zu chronischen Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Leberfibrosierung und Krebserkrankungen entwickeln können.
Nach dem Ausflug in die Mitte und den Darm kehre ich zum Hopfen und der ausleitenden und heilenden Kraft seiner Wirkstoffe auf oben beschriebene Nässe-Hitze zurück. Geruch und Geschmack dieser Wirkstoffe spielen eine therapeutische Schlüsselrolle. Frischer oder frisch getrockneter Hopfen riecht phantastisch und hat, je nach Sorte, ein süßes und fruchtiges Parfum, bei dem man beim Einatmen durch die Nase fühlt, wie es ins Gehirn aufsteigt und die Synapsen aktiviert. Alter Hopfen kann jedoch durchaus nach Käse riechen, doch wird der dann nicht mehr verwendet. Für die Produktion von Getränken eignet sich nur frischer oder getrockneter Hopfen. Eine Ahnung vom Geschmack des Hopfens erfährt man beim Biertrinken, allerdings geht vom Parfum beim Brauen viel verloren. Das volle Aroma des Hopfens erlebt man bereits durch das Riechen, doch bricht es ganz durch, wenn man das gelbe Hopfenmehl auf der Zunge schmeckt. Im ersten Moment ist es extrem bitter, und einen Augenblick später gesellt sich eine angenehm scharfe Kühle dazu, von der man glaubt, dass sie irgendwie süß ist. Diese vier Geschmacksrichtungen im Hopfenmehl und der süße, fruchtige Hopfengeruch ergeben eine mehrdimensionale, therapeutische Mischung. Darum kann Hopfen diese pathologische Nässe-Hitze in der Mitte, sprich, Leber, Milz, Magen, Bauchspeicheldrüse, eliminieren. Das Bittere und Kalte öffnen nach unten, so dass sich Stagnation im Verdauungsapparat lösen und Hitze und Nässe über den Kot nach außen befördert werden können. Da kann es schon sein, dass der Stuhlgang flotter wird. Das Bittere und Scharfe öffnen die Gefäße und aktivieren die Drüsen, wodurch sich das Blut besser bewegt und das Herzkreislauf-System aktiviert wird. Das Süße und Fruchtige harmonisieren, indem es den Energie- bzw. Qi-Kreislauf der Mitte mit seinem Milz-Auf und Magen-Ab wieder in die richtige, also rechtsdrehende Bewegung, bringen.
Es ist keine Zauberei, wenn Hopfen die Lebensenergie aktiviert und das Wei-Qi, sprich Immunsystem, stärkt, sondern es ist lediglich die Folge der Beseitigung von „Nässe-Hitze“ und der Schubs in die richtige Richtung. Damit ist aller krankmachende Scheiß – sorry für die Direktheit – draußen. Körperenergie, Blut und physiologische Flüssigkeiten können wieder fließen, und somit werden Organe und schließlich der ganze Mensch versorgt.
Damit wird klar, warum Hopfen nicht nur den Darm stärkt, sondern die Gesundheit des Menschen. Jetzt noch ein paar Infos über den Darm und darüber, wie er das Immunsystem beeinflusst.
Bis zu achtzig Prozent des Immunsystems sitzen in der Darmschleimhaut. Kein Wunder, wenn Menschen, die unter Reizdarm und anderen Darmkrankheiten leiden, auch ein schwaches Immunsystem und qualitative und quantitative Blutprobleme haben. B- und T-Lymphozyten werden hauptsächlich im Darm geprägt. Damit stehen und fallen Leistungsfähigkeit und Immunsystem mit dem Darm. Im Darm sind über Hundert Millionen Nervenzellen, und es werden dort über vierzig Botenstoffe produziert, unter anderem psychoaktive Hormone, wie Serotonin, Dopamin und Benzodiazepine.
Die „antiken“, naturheilkundlich wirkenden und philosophierenden Therapeuten, wie Hildegard von Bingen oder Albertus Magnus oder Hufeland, sprachen davon, dass Hopfen dem nervösen Magen guttut. Heute wissen wir, Magen-Darm-Beschwerden hängen unter anderem mit psycho-emotionalen Belastungen zusammen, wodurch Ärger, Sorgen, Trauer und Angst zu Sodbrennen, Aufstoßen, Reflux, Schmerzen im Oberbauch, Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen führen können.
Auch während der Menopause leiden Frauen häufig unter Magen-Darm-Problemen. Hopfen wirkt, wie Sie jetzt wissen, gesundend auf Darmbeschwerden und Nässe-Hitze ein. Zusätzlich hat er einen harmonisierenden Effekt auf den sinkenden Hormonspiegel während der Menopause. Beschwerden eines solchen können ebenfalls Verdauungsprobleme sein, doch auch Hitzewallungen, Unruhe, Angstzustände, Schlafstörungen, trockene Schleimhäute und Osteoporose. Die TCM versteht diese Symptome als schwaches beziehungsweise schwächer werdendes Nieren-Qi, vor allem Nieren-Yin-Mangel.
Hopfen enthält Prenylnargingenin, das als Phytoöstrogen wirkt und den sinkenden Hormonspiegel ausgleicht. Eine Studie von 2006 hat ergeben, wenn Hopfen täglich als simpler Doldentee eingenommen wird, können sich Wechseljahresbeschwerden deutlich vermindern.
Hopfen kann also Nässe und Hitze ausleiten. Nebenbei bemerkt, nennt die westliche Medizin das Entzündung, die von Bakterien, Viren oder Pilzen verursacht sind. Auch Malaria soll auf die Behandlung mit Hopfen positiv ansprechen. (Journal of Molecular Nutrition and Food Research, September 2005)
